Fragen und Antworten zur Vasektomie
Darf jeder die Vasektomie durchführen lassen?
In Deutschland darf jeder volljährige Mann den Eingriff (und üblicherweise auch ohne Angabe von Gründen) vornehmen lassen, wobei es natürlich vorkommen kann, dass der behandelnde Arzt die Frage stellt, ob man sich wirklich sicher ist, diesen (normalerweise) nicht rückgängig machbaren Schritt zu tun, besonders, wenn es sich bei dem Patient um einen z. B. 18jährigen handelt.
Wie bei jeder Operation muss man durch seine Unterschrift sein Einverständnis erklären. Ist der Mann verheiratet, ist es dennoch erforderlich, dass die Ehefrau mit unterschreibt.

Habe ich nach der Vasektomie noch einen richtigen Samenerguss?
Ja! Da die Samenzellen maximal 5% eines Samenergusses ausmachen, ist die Menge nur unmerklich geringer. Die Samenflüssigkeit ist in Farbe, Konsistenz unverändert.

Kann die Vasektomie rückgängig gemacht werden?
Grundsätzlich geht man bei der Vasektomie davon aus, dass sie nicht rückgängig gemacht werden kann. Die heutige Mikrochirurgie ist jedoch in der Lage, fast alles rückgängig zu machen. Es kann jedoch nicht garantiert werden, dass es klappt, die Erfolgsquote liegt bei etwa 80%. Doch auch selbst wenn die sog. Refertilisierung technisch erfolgreich ist, heißt das noch lange nicht, dass man wirklich wieder zeugungsfähig ist. Je länger die Vasektomie zurückliegt, desto unwahrscheinlicher ist ein Erfolg. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Refertilisierung nicht.

Mit welchen Komplikationen muss ich rechnen?
Wie bei jeder Operation kann es auch bei der Durchführung der Vasektomie zu Komplikationen kommen, die jedoch meist unproblematisch sind. Mögliche Folgen sind (mit prozentualen Angaben, die jedoch bei verschiedenen Quellen stark schwanken):
  • Wundinfektionen (bis 6%)

  • Blutergüsse (bis 20%)

  • Nebenhodenentzündungen (0,5-5%)

  • Abszessbildungen (bis 5%)

  • Spermagranulome (3-8%)


  • Muss man die Schambehaarung entfernen?

    Ja, wie bei Operationen üblich, muss man das tun. Bei ambulanter Durchführung macht man das normalerweise am Tag vorher selbst. Bei ambulanter Durchführung muss man in der Regel weniger Haare entfernen (nur die eigentliche Schambehaarung.

    Muss man zur Vasektomie nüchtern erscheinen?
    Das hängt davon ab, ob man die Vasektomie mit örtlicher Betäubung oder in Vollnarkose durchgeführt wird.
    Bei lokaler Betäubung ist es nicht notwendig nüchtern zu erscheinen, da die Durchführung ein relativ kleiner Eingriff ist.
    Wird die Vasektomie jedoch in Vollnarkose durchgeführt, darf man wie bei Vollnarkose üblich zwölf Stunden vorher nichts essen.

    Tut das arg weh?
    Durch die lokale Betäubung merkt man von der Operation nichts. Wer empfindlich bei Spritzen ist, wird die zwei Piekser überstehen müssen, aber die Nadeln sind so dünn, dass das normalerweise kein Problem darstellt.
    Nach dem Abklingen der Betäubung tritt wie bei Wunden üblich ein Wundschmerz ein, der aber durch die geringe Größe der Schnitte (1 cm) und die relativ unempfindliche Haut des Hodensack nicht besonders groß ist.
    Natürlich kann eine Entzündung der Wunden auftreten, die dann schon weh tun kann, aber das kann bei jeder anderen Verwundung auch passieren.

    Was ist der Unterschied zwischen einer Sterilisation und Kastration?
    Bei der Sterilisation werden nur die Samenleiter durchtrennt. Eine Kastration hingegen wäre die Entfernung der kompletten Keimdrüsen (also der Hoden), was sich erheblich auf den Hormonhaushalt und das ganze Wesen eines Mannes auswirken würde. Bei einer Kastration kommt es im Gegensatz zur Sterilisation im allgemeinen zu Symptomen wie
  • Antriebslosigkeit

  • Fettleibigkeit

  • Veränderung der Behaarung

  • Verlust der Libido


  • Was ist mit der sexuellen Lust nach der Vasektomie?
    Die Sexualität und der Sexualhormonhaushalt sind nach der Vasektomie unverändert (abgesehen von der Tatsache, dass man nicht mehr fruchtbar ist und darüber mit sich selbst im reinen sein muss, siehe Entscheidung zur Vasektomie). Ganz im Gegenteil: da man keine Angst mehr vor ungewollter Schwangerschaft hat und z. B. auch keine Kondome zu Verhütung mehr benutzen muss, berichten viele Paare über ein erfüllteres Sexualleben, da man sich freier fühlt als vorher.

    Wie lange dauert der Eingriff?
    Wenn alles ohne Komplikationen verläuft, muss man etwa 20 Minuten für die Vorbereitung (Desinfektion, Betäubung) und weitere zwanzig Minuten für die eigentliche Durchführung der Operation rechnen.

    Wie sicher ist die Sterilisation durch Vasektomie?
    Die Methode der Vasektomie ist die sicherste Methode der Sterilisation. Doch in sehr seltenen Fällen kann es vorkommen, dass sich die Samenleiter trotz der Durchtrennung wieder verbinden. Der Arzt kann dafür natürlich keine Garantie geben. Man sollte etwa ein Jahr nach der Durchführung die Samenflüssigkeit noch einmal untersuchen lassen, ob sich wieder oder immer noch Samenzellen darin befinden, wenn dies nicht der Fall ist, kann man eigentlich davon ausgehen, dass nichts mehr passiert.

    Wo bleibt der Samen nach der Vasektomie?
    Diese Frage ist bis heute noch nicht hundertprozentig geklärt. Man vermutet, dass die Samenzellen vom Gewebe absorbiert oder von speziellen Zellen vernichtet werden.

    Krebs durch Vasektomie
    Prostatakarzinom-Risiko nach Sterilisation bei Männern offenbar nicht erhöht. Auch bei Männern, die sich vor mehr als 25 Jahren die Samenleiter durchtrennen ließen, war in einer Studie die Rate für Prostatakrebs nicht erhöht.
    Vasektomie ist für viele Männer noch tabu: Von den etwa 200 Millionen Paaren, die weltweit auf Sterilisation als Verhütungsmittel setzen, sind es bei zwei Drittel die Frauen, die sich sterilisieren lassen - und dies, obwohl eine Vasektomie ambulant erfolgen kann und seltener Komplikationen verursacht als eine Sterilisation bei Frauen. Widersprüchliche Studienergebnisse zum Prostatakrebs-Risiko nach Vasektomie hatten Anfang der 90er Jahre zusätzlich für Verunsicherung gesorgt. Forscher aus Neuseeland, dem Land mit der höchsten Vasektomie-Rate, konnten jetzt aber keinen Zusammenhang zwischen Krebsrisiko und Vasektomie erkennen (JAMA 287, 2002, 3110). Die Forscher hatten Daten von über 900 Prostata-Krebs-Patienten im Alter von 40 bis 74 Jahren und von 1200 gesunden Kontrollpersonen ausgewertet. Das Ergebnis: 23 Prozent der Krebspatienten waren in der Vergangenheit durch Vasektomie sterilisiert worden, bei den Kontrollpersonen waren es 27 Prozent. Bei neun Prozent der Krebspatienten lag die Vasektomie mehr als 25 Jahre zurück, bei den Gesunden betrug dieser Anteil zehn Prozent. Die Forscher schließen daraus, daß auch 25 Jahre nach dem Eingriff kein erhöhtes Risiko für Prostata-Krebs besteht.
    (Quelle: Copyright © 1997-2003 by Ärzte Zeitung (25.06.2002))